Architektur
Als mir der Architekturstudent von dem mutwillig zerstörten Stadtbildes Berlins erzählte und die geschmacklichen Retourkutsche noch mit der Allzweckwaffe der Spießigkeit beladen hat, und zwar dem Potsdamer Platz jede Ästhetik abzusprechen, das gefangene Brandenburger Tor, eingekreist zwischen Banken und Botschaften, aber als historisch gewachsen, korrekt und als den brillanten und ehrwürdigen Abschluss der Prachtstraße “Ùnter den Linden“ zu bezeichnen, wurde mir zwar wieder bewusst wie ich nicht reden will. Leute die ihren persönlichen Ausschnitt des Lebens für wichtig erachten und dann losziehen wie die Kreuzritter um die gedankliche SS, garniert mit Fremdwortgewitter, auf die Entarteten loszulassen, die auf andere Baumaterialien als Hinkelstein stehen und nicht Konformität als das Nonplusultra ansehen. Ein wahres Problem des Berliner Lebensraumes eröffnete sich mir erst Tage später. Nicht Außen sondern Innen liegt das Problem.
Ein Besuch im Studentenwohnheim am Mendelsohn Bartholdy Park. Wenn ich auf der Suche nach einer gewesen wäre, hätte dies die Milieustudie pur dargestellt. Verwahrloste Kinder und streunende Killerhunde ohne Maulkorb vor der Tür. Drinnen Uringeruch und der Boden voller Roachies. Die Zimmer mit PVC Charme können auch durch individuelle Einrichtung nicht den Eindruck einer Zelle verlieren.
Ähnlich am Tiergarten. Das 20-stöckige Hochhaus wird nur durch ausländische Studenten bevölkert, die in Harz-4 unwürdigen Bereichen leben müssen. Die Menschen arbeiten und leben in verkümmerten Zonen. Und es stört sie. Zimmer gen Süden können dann wenigsten ab Mai die Heizung ausstellen und Temperaturen und Luftqualität wie vor dem Lüfter des Computers erleben. Da würde ich auch abbrechen. So schäme ich mich nur, dass wir unsren Gästen so etwas antun.
